Italienische Weine: Eine turbulente Erfolgsgeschichte

Italien – eine der bedeutendsten Weinregionen weltweit

Mit knapp 700.000 Hektar Rebfläche und einer jährlichen Produktion von über 40 Millionen Hektolitern ist Italien neben Frankreich, Spanien und Deutschland ein Marktführer im Bereich der Weine. Italienische Weine genießen einen ausgezeichneten Ruf und erfreuen sich weltweit großer Beliebtheit. Mit mehr als 400 verschiedenen Rebsorten lässt sich eine große Vielfalt an Weinen italienischen Ursprungs finden, tendenziell gibt es jedoch eine Spezialisation auf Rotweine kräftiger Natur mit vielfältigen Geschmacksnuancen, sowie auf trockene und reduktiv ausgebaute Weißweine. Unter den 20 italienischen Weinanbaugebieten sind die bekanntesten die Toskana, das Piemont, die Lombardei, das Trentino und das Friaul. Aus dem Piemont ist vor allem bekannt der Barolo und Barbaresco, in der Toskana genießt beispielsweise der Brunello di Montalcino besondere Beliebtheit. Eine große Auswahl italienischer Weine finden Sie bei Millesima.

Ein Teil des Erfolgsgeheimnisses italienischer Weine ist begründet auf der klimatischen Vielfalt des Landes und der Diversität der Böden, so sind beispielsweise vertreten Kalkstein, vulkanischer Tuff und kiesiger Lehm.

Die in Italien vertretenen 533 Appellationen beruhen auf vier Qualitätsstufen, die den italienischen Markt reglementieren. Die niedrigste ist Vino/Vini di Tavola, welche sich auf normale Tafelweine einfachster Qualität bezieht, die allerdings in Italien häufig dennoch sehr geschätzt werden. Die nächsthöhere Stufe wird betitelt mit IGP (Indicazione Geografica Tipica). Also Landweine, die typische Merkmale einer Region tragen. Nach der EU-Weinmarktordnung von 2009 werden sie mittlerweile auch betitelt mit IGP (Indicazione Geografica Protetta). Die dritte Stufe trägt die Appellation DOC (Denominazione di Origine Controllata), sie ist also eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung und bezieht lediglich Qualitätsweine höchster Klasse mit ein. Lediglich gesteigert wird diese Appellation von der letzten Qualitätsstufe, betitelt als DOCG (Denominazione du Origine Controllata e Garantita) und vergleichbar mit deutschem Prädikatswein. Weine dieser Klasse müssen noch im Anbaugebiet auf Flaschen gezogen werden und tragen eine Banderole am Hals. Die Qualitätsstufen DOC und DOCG gelten seit der neuen Weinmarktverordnung gemeinsam unter dem Begriff DOP (Denominazione di Origine Protetta), werden allerdings weiterhin von Winzern verwendet.

Der Weg zum Erfolg

Die Geschichte des italienischen Weins ist eine durchwachsene und reicht ca. 3.000 Jahre zurück. Seinen Anfang nahm sie im 8. Jahrhundert v. Chr., als die Griechen bzw. Etrusker vermehrt Kolonisationsbemühungen in Italien unternahmen, um ihrem eigenen rapiden Bevölkerungsanstieg in Griechenland zu entfliehen. Im Rahmen dieser Versuche, brachten sie Weinreben aus der Heimat mit und bauten so in der heutigen Toskana Wein an. Dies war die Geburtsstunde italienischen Weines. Anders als heute galt Wein damals übrigens nicht als Genuss-, sondern als Volksgetränk und wurde in jeder Gesellschaftsschicht getrunken und sogar Kindern wurde empfohlen täglich einen halben Liter Wein zu trinken. Zunächst jedoch genoss griechischer Wein eine bessere Reputation und wurde dem Italienischen bevorzugt. Die italienische Technik war anfangs eher bescheiden und Bereitungsfehler in den Weinen keine Seltenheit. Ab dem Jahre 200 v. Chr. verbesserte sich ihr Ruf allerdings stark und mündete in dem weltberühmten italienischen Jahrgang von 121 v. Chr., den Winzer noch heute versuchen wieder zu vinifizieren. Einen Rückschlag verzeichnete die italienische Weinkultur jedoch im Jahre 79 N. Chr. zu Zeiten des Ausbruchs des Vesuvs, was eine großflächige Zerstörung der italienischen Weinberge zur Folge hatte. Um der anschließenden Angebotsknappheit entgegenzusteuern, wurden sämtliche Getreidefelder geopfert und es kam zu einem Überangebot an billigem Wein. Die Erschließung an Weinbergen wurde jedoch einige Jahre später verboten, woraufhin die Qualität wieder stieg.

Eine weitere problematische Wendung ereignete sich allerdings in den 1970er Jahren, als der enorme Preiskampf viele Winzer in den Norden trieb und weite Weinbau Landstriche im Süden verwildern ließ. Einzelne Winzer verstanden jedoch die langfristige Problematik hinsichtlich Weins als Massenware und übernahmen aus Frankreich den Ausbau in kleinen Eichenfässern, was einen buttrig-nussigen Touch bei Weißweinen und mehr Körper bei Rotweinen zur Folge hatte. Auch bedeutend war die vermehrte Verwendung von Heiz- und Kühlsystemen, sowie der Wechsel weg von alten Fässern und schimmeligen Betontanks hin zu hygienischeren Edelstahlbehältern. Mitte der 1990er Jahre veränderten sich dann auch die Anbaumethoden, indem überproduktive Reben durch besser angepasste Setzlinge ersetzt wurden, die auf geringe Erträge gezüchtet waren. In Folge dieser Veränderungen gewann italienischer Wein mehr und mehr an Beliebtheit und versuchte sich der internationalen Nachfrage anzupassen. Dadurch verlor er zunächst etwas an seiner Individualität, der leichten Eleganz und Finesse und eher schwere Weine mit viel Alkohol, viel Farbe und viel Frucht dominierten das Angebot. Auch die Preise stiegen stark an, was einen Preisschock zur Folge hatte und bewirkte, dass die Konsumenten verstärkt Preise verglichen und Discounter die Lieferanten ihre Marktmacht spüren ließen. Eine glückliche Fügung schließlich zeigte sich im Laufe der Finanzkrise im Jahr 2008, als Winzer in Geldnot gerieten und daher vermehrt wieder leichtere Weine produzierten, was den Zeitgeschmack der Nachfrage genau traf. So kam es zu einer Rückkehr der Besinnung auf den italienischen Charakter voll Finesse und Fruchtigkeit und auch die Preise senkten sich wieder.

Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner turbulenten Geschichte ist italienischer Wein heute beliebter denn je und ist mit seiner großen Vielfalt ein Paradis für alle Weinliebhaber. Die herausragende Qualität hat das Land zu einer weltbekannten Weinregion gemacht und verspricht viele weitere Spitzentropfen in der Zukunft.

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