Hochzeitsbrot und Slow-Food-Pionier aus dem Vinschgau: Alles über das Vinschgerl

Vinschger Ur-Paarl, auch „Brot der Brautleute“. Bildnachweis: Vinschgau Marketing/Frieder Blickle

Vinschger Ur-Paarl, auch „Brot der Brautleute“. Bildnachweis: Vinschgau Marketing/Frieder Blickle

Das Vinschger Ur-Paarl erhielt vor über 20 Jahren als erstes Südtiroler Produkt überhaupt das Schnecken-Siegel von Slow Food, ist aber schon weit länger eine Delikatesse der besonderen Art. Bereits im Mittelalter hergestellt, hat die urtümliche Form des würzigen Brots die Talbewohner zu einem bis heute praktizierten Vermählungsbrauch inspiriert: So werden die beiden flach zusammenhängenden Laibe traditionell bei Hochzeiten gereicht und stehen für die Vereinigung der Ehepartner. Zahlreiche Bäcker aus dem Vinschgau haben die authentische Köstlichkeit aus Roggen, Fenchel und Kümmel wiederentdeckt und sind fest entschlossen, die lokale Gaumenfreude mithilfe von verschiedenen Nachhaltigkeits-Initiativen für die Zukunft zu bewahren. www.vinschgau.net

Ein Brot für lange Winter
Als typisches Vorratsbrot der Region zählte das Ur-Paarl zu den Waren, die nicht nur während der kalten Jahreszeit das Überleben der Alpental-Bewohner sicherte. Noch Wochen nach der Herstellung sollten die bekömmlichen Laibe schmecken, da die Bauern ihre Holzöfen des großen Aufwands wegen früher nur drei- bis viermal pro Jahr anheizten. Damit sich kein Schimmel bilden konnte, wurden sie in speziellen, Hurt genannten Gestellen getrocknet. Deshalb findet sich noch heute in fast jedem Vinschger Haushalt die so genannte Gromml, mit der das Paarl auch im harten Zustand in mundgerechte Stücke zerteilt werden kann. Zur Weihnachtszeit wird übrigens eine schmackhafte Advents-Variante mit Früchten gebacken.

Bewusst essen und genießen
2004 erhielt das Brot als erstes Südtiroler Produkt das Presidio-Label, höchste Auszeichnung von Slow Food. Die renommierte Non-Profit-Organisation engagiert sich weltweit für nachhaltigen und bewussten Genuss, traditionelle Herstellungsmethoden und regionale Kreisläufe. Demnach verpflichten sich die Mitglieder zur Erfüllung strenger Vorgaben. So darf das verwendete Getreide ausschließlich auf den Äckern des oberen und mittleren Vinschgau gedeihen, Bäcker müssen sich an das vorgegebene Rezept mit Roggen-Sauerteig und Bockshornklee halten. Darüber hinaus fördert der Verband den Anbau alter Kornsorten zur Bewahrung der heimischen Geschmacksvielfalt.

Südtirols Kornkammer
Aufgrund seiner besonderen klimatischen und geographischen Verhältnisse galt der Obervinschgau zwischen Glurns, Mals und Schluderns bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Kornkammer Südtirols, danach wurde der Getreide-Anbau zunehmend von der lukrativeren Obst- und Milchwirtschaft abgelöst. Seit einiger Zeit ist das bäuerliche Bewusstsein wieder offen für nachhaltige Kreisläufe, kleine Strukturen und Rohstoffe von bester Qualität. 2004 haben sich rund 60 Landwirte und 30 Bäcker mit der „Meraner Mühle“ von der Massenproduktion verabschiedet und setzen auf lokale Wertschöpfung und traditionelle Anbaumethoden. Das erfolgreiche Projekt RegioKorn garantiert, dass das Getreide aus der unmittelbaren Umgebung stammt. Eine weitere Interessensgemeinschaft ist die sogenannte Kornkammer.

Bezugsadressen
Unter anderem bei folgenden Bäckern gibt es das Vinschger Paarl aus regionalem Getreide: Angerer in St. Valentin, Schuster in Laatsch, Bauernladen in Mals, Vinschger Bauernladen in Naturns, Migihof in Schleis, Winklhof in Prad und Kirchhof in Allitz

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