Lösung für Rückzahlungsverpflichtung in Reiseindustrie benötigt: VIR sieht akuten Handlungsbedarf

Um eine Insolvenzwelle in der Reisebranche zu verhindern, ist für den Verband Internet Reisevertrieb e.V. (VIR) die Einrichtung eines Notfonds dringend notwendig. „Er muss von der Bundesregierung umgehend aufgesetzt werden“, fordert Michael Buller, Vorstand des digitalen Interessenverbands.

Der VIR unterstützt die Initiativen der Tourismusindustrie, mit einer schnellen abgesicherten Gutscheinlösung der angespannten Liquiditätslage in der Tourismusindustrie entgegen zu wirken. Große Erwartungen knüpft er auch an den Vorschlag einer Notfonds-Lösung für Rückzahlungsverpflichtungen aus stornierten Reisen. Hierfür hatte sich unterem anderem bereits der „Verbraucherzentrale Bundesverband“ (vzbv) ausgesprochen.

VIR-Vorstand Michael Buller

„Im Gegensatz zu anderen Branchen ist die Touristik aufgrund der zahlreichen Reisewarnungen und Einschränkungen bereits seit rund vier Wochen von den verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie betroffen“, erläutert VIR-Vorstand Michael Buller. „Nicht nur, dass aus Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Lage bereits seit Wochen keine Neubuchungen stattfinden, muss die deutsche Tourismusbranche zudem auch noch etwa sechs Monate Geschäftsbetrieb rückabwickeln.“ Denn bereits vor Monaten getätigte Urlaubsbuchungen, darunter auch für die bevorstehenden Osterferien, müssen storniert und an die Verbraucher rückerstattet werden. Dadurch entsteht vielfach ein großer Liquiditätsengpass.

Aktuelle Auswertungen von Travel Data & Analytics zeigten dem Verbandschef zufolge, dass die Neubuchungen in der Touristik bereits seit Ende Februar, während die Krise in Italien an Fahrt aufnahm, stark eingebrochen sei. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum wurde damals bei der Zahl der Neubuchungen bereits ein Minus von 34 Prozent verzeichnet. Dies hat sich in der Vorwoche auf ein Minus von 90 Prozent erhöht.

„Vielen touristischen Unternehmen, Konzernen wie auch Mittelständlern, droht durch die aktuellen Liquiditätsengpässe die baldige Insolvenz“, unterstreicht VIR-Vorstand Michael Buller den wirtschaftlichen Ernst der Lage. „Es ist keine Frage der Stärke oder Schwäche der Unternehmen, sondern hauptsächlich der Situation geschuldet, dass alle Produkte, die man verkauft hat, plötzlich nicht mehr verfügbar sind. Und die Branche hat keine zwei Wochen mehr Zeit, um die Situation zu überbrücken.“

Der Verbandschef fordert daher von der Bundesregierung die schnelle Einrichtung eines Absicherungsfonds für die Reiseindustrie, wie es sich schon zur Zeit der Bankenkrise im Jahr 2008 bewährt habe. „In diesen Fonds können die Reiseveranstalter die Rückzahlungen an ihre Kunden auslagern, zugleich treten sie die Forderungen gegenüber Leistungsträger ab“, erläutert der VIR-Vorstand. „Auch die Leistungsträger oder Reisevermittler können ihre Rückzahlungsverpflichtungen dorthin auslagern.“ Als Schuldner übernimmt dann die Bundesregierung.

„Der Fonds könnte in Form einer Datenbank installiert werden“, so Michael Buller. Ihm schwebt vor, dass eine Handvoll sogenannter Midoffice-, Backoffice- und Finanzbuchhaltungssysteme in ihren Systemen die Buchungen aller Akteure im deutschen Touristikmarkt verwalten. „Dies beinhaltet die Forderungen von Kunden, Provisionsabwicklungen oder auch Abrechnungen von Zulieferern“, so der VIR-Vorstand weiter. „Diese könnten über Schnittstellen eine zentrale Rolle in der Lieferung und Verwaltung der rückzahlungspflichtigen Buchungen an den Fonds spielen.“

Die Reiseveranstalter, Leistungserbringer und Reisevermittler müssten sich im Gegenzug wiederum verpflichten, innerhalb eines angemessenen zeitlichen Rahmens von beispielsweise drei Jahren die Zahlungen rückzuerstatten. „Dies kann zu einem niedrigen Zinssatz von einem Prozent und einer kleinen Bearbeitungsgebühr erfolgen“, betont Michael Buller.

Gefordert sei nun ein rasches Handeln. „Uns läuft als Industrie die Zeit davon“, warnt der Verbandschef. „All die Vorschläge für Hilfspakete und Lösungsmaßnahmen, die die touristischen Verbände eingereicht haben, helfen vielen Branchen, aber möglicherweise nicht mehr unserer eigenen.“

Die detaillierte Einreichung des VIR an die Politik findet sich unter folgendem Link:

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